Protokoll von Status von Fürstenthaler

Wohngebäude und Grundstücke

Raimund Friedrich Kaindl
Das Ansiedlungswesen in der Bukowina seit der Besitzergreifung durch Österreich,
(Innsbruck: Verlag der Wagner’schen Universitäts-Buchhandlung, 1902), pp. 535-537

Veröffentlicht 26 Dezember 2005


26. Juli 1858. „Protokoll. Aufgenommen zufolge Verordnung der löbl. k. k. Bukowinaer Finanz-Bezirksdirection vom 11. Juli 1858 Z. 9795 wegen Eruierung der Rechtsverhältnisse zwischen der Bukowinaer Religionsfonds-Domäne Solka und den hierorts bestehenden Glashüttenarbeitern bezüglich der in ihrem Besitze befindlichen Wohngebäude und Grundstücke, zu Fürstenthal am 26. Juli 1858 durch den gefer­tigten Cameralverwalter.

Nachdem in obiger Angelegenheit in den benachbarten Ortschaften keine Zeugen erlangt werden konnten, welche zur Wahrheit der Sache irgend welche Auskunft geben könnten, so wurden die ältesten Glieder der Gemeinde Fürstenthal aus der Holzschlägeransiedlung als Joseph Gnad, 75 Jahre alt, und Franz Geschwentner, 69 Jahre alt, unter Beitritt des
Ortsvorstandes zu dieser örtlichen Erhebung ein­geladen, welche nach Begehung der Glasmacherhäuser Folgendes angaben :

Haus Nr. 1. Dieses Haus sammt Grund besitzt Jakob Schuster als Glasmacher seit 16 Jahren.
Haus Nr. 2. Hier ist Michel Hagel als Glasmacher seit 11 Jahren Besitzer.
Haus Nr. 3. Hier besitzt Martin Mühlbauer seit 11 Jahren Haus und Grund als Glasmacher.
Haus Nr. 4. Das Haus ist hier im Jahre 1850 eingestürzt, dessen Materiale die Herrschaft verkauft hat; den Grund hiezu benutzt Franz Weber seit 35 Jahren als Glasmacher.
Haus Nr. 5. Haus und Grund besitzt Karl Gaschler junior als Glasmacher seit 15 Jahren.
Haus Nr. 6. Das Haus ist im Jahre 1850 eingestürzt; es wurde das Materiale hievon von der Herrschaft verkauft, der dazu gehörige Grund hingegen an den Glashüttenpächter verpachtet.
Haus Nr. 7. Haus und Grund besitzt Michel Stadler als Glas­macher seit 14 Jahren.
Haus Nr. 8. Haus mit dem Grund von Haus Nr. 60 besitzt Jakob Gnad als Schürer seit 2 Jahren.
Haus Nr. 9. Haus und Grund besitzt Joseph Stadler senior als Glasmacher seit 30 Jahren.
Haus Nr. 10. Haus und Grund besitzt Symon Fischer als Hütten, Maurer seit 30 Jahren.
Haus Nr. 11. Haus und Grund besitzt Joseph Weber als Glas­macher seit 24 Jahren.
Haus Nr. 12. Nach dem Einstürze des Hauses im Jahre 1850 hat die Herrschaft dessen Materiale verkauft, den Grund aber an den Glashüttenpächter verpachtet.
Haus Nr. 13. Haus und Grund besitzt Johann Gaschler als Glasmacher seit 10 Jahren.
Haus Nr. 14. Haus und Grund besitzt Karl Gaschler senior als Glasmacher seit 35 Jahren.
Haus Nr. 15. Haus und Grund besitzt Johann Pongratz als Glas­macher seit 25 Jahren.
Haus Nr. 16. Haus und Grund besitzt Friedrich Gaschler als Glasmacher seit 23 Jahren.
Haus Nr. 17. Das Haus ist im Jahre 1850 eingestürzt; das Ma­teriale hat die Herrschaft verkauft, das Grundstück hievon aber an den Glashüttenpächter verpachtet.
Haus Nr. 18. Haus und Grund besitzt Joseph Gaschler als Glas­macher seit 23 Jahren.
Haus Nr. 52. Das Haus (am Rande: seit zwei Jahren von der Herrschaft erbaut) und die Hälfte des dazu gehörigen Grundes besitzt Karl Gasch­ler als Glashüttentischler seit 7 Jahren, die andere Hälfte des Grundes benützt der Glashüttenpächter; ist herrschaftlich.
Haus Nr. 53. Das Haus sammt Grund benutzt der Glashüttenpächtei.
Haus Nr. 55. Das Haus benützt der Glashüttenpächter; den dazu gehörigen Grund besitzt aber Ambros Weinfurter seit 21 Jahren als Schürer.
Haus Nr. 56. Haus und Grund besitzt Jakob Neumann als Schürer seit 21 Jahren.
Haus Nr. 57. Haus und Grund besitzt Josef Feldigel als Schürer seit 12 Jahren.
Haus Nr. 58. Das Haus ist im Jahre 1851 eingestürzt, das Materiale hievon hat die Herrschaft verkauft, der Grund hievon wurde als Deputat dem Revierförster und den Waldhegern vor mehreren Jahren zugetheilt.
Haus Nr. 59. Das Haus benützt der Glashüttenpächter, den dazu gehörigen Grund hingegen besitzt Josef Stadler als Schmelzer seit 25 Jahren.
Haus Nr. 60. Das Haus benützt der Glashüttenpächter, den dazu gehörigen Grund aber Jakob Gnad als Schürer seit 2 Jahren (vide 8).
Haus Nr. 61. Haus und Grund besitzt Karl Stadler als Schmelzer seit 16 Jahren.
Haus Nr. 62. Dieses Haus und den Grund sub Haus Nr. 8 besitzt Karl Kohlmann, als Glasmacher seit 12 Jahren.
Haus Nr. 80. Dieses Haus wurde vor mehreren Jahren vom da­maligen Glashüttenpächter erbaut und wird auch dermalen von dem gegenwärtigen Pächter benützt; dabei ist kein Grund.

Alle die bezeichneten Wohnungen, mit alleiniger Ausnahme jener sub Haus Nr. 80, hat die Religions-Fonds-Herrschaft Solka in den Jahren 1803 bis 1805 erbaut und darin die Glashüttenarbeiter unterbracht, ihnen auch, und zwar einem jeden derselben, drei Joch Grundstücke zugetheilt.

Die Grundstücke waren aber damals von uns kaum vom Urwald abgestockt, daher mit Baumstöcken und vielem Strauchwerk bedeckt, und es haben solche die Glashüttenarbeiter selbst gerodet, ohne das* dieselben hiezu von Seite der Herrschaft irgend welche Aushilfe oder Vergütung erlangt hätten.

Von den ursprünglich aufgenommenen Glashüttenarbeitern be­stehen gegenwärtig die Söhne Jakob Schuster, Franz Weber, Karl Gaschler junior, Michel Stadler, Joseph Stadler senior, Symon Fischer, Joseph Weber, Johann Gaschler, Karl Gaschler, Johann Pongratz, Friedrich Gaschler, Joseph Gaschler, Karl Gaschler, Ambros Weinfurter. Joseph Feldigel, Joseph Stadler und Karl Stadler, von welchem Joseph Weber und Johann Pongratz sich im Besitze jener Wohnhäuser und Grundstücke befinden, in und auf welchen ihre Eltern von der Herr­schaft Solka unterbracht waren.

Bis zum Jahre 1809 wurde die hiesige Glashütte von der Herr­schaft Solka selbst betrieben, seit jener Zeit aber in gewissen Perioden an verschiedene Pächter überlassen.

Den Pächtern der hiesigen Glashütte hat die Herrschaft Solka auch die Wohnungen und Grundstücke der Glashüttenarbeiter über­geben, weswegen letztere von Seite der Pächter öfters von einer auf die andere Haus- und Grunddotation versetzt worden sind, und es wurden die Wohnungen und Gründe von den ausgewanderten oder abgeschafften Glashüttenarbeitern durch die Glashüttenpächter benützt, wie dies auch gegenwärtig geschieht.

In den Jahren 1818, 1819, 1820 haben die Glashüttenarbeiter die Grundsteuer entrichtet, sowie auch die Lieferungsreluition und Militärbeitrag gezahlt, sonst wurde die Grundsteuer und Haussteuer von den Wohnungen und Gründen der Glashüttenarbeiter bis nun von der Herrschaft Solka entrichtet, doch seit dem Jahre 1838 wird die Grundsteuer für die im Bereiche der Gemeinde Mardzina liegenden Gründe von den Glashüttenarbeitern selbst gezahlt, indem dieselben von der Gemeinde Mardzina hiermit anrepartiert worden sind.

Alle Reparaturherstellungen an den Wohnungen der Glashüttenarbeiter hat stets die Herrschaft Solka aus den Renten bestritten und die Tischlerswohnung hat dieselbe vor zwei Jahren neu erbaut.

Die Glashüttenarbeiter haben vom Jahre 1811 bis zum Jahre 1849 für ihre Wohnungen und Grundstücke an die Herrschaft Solka einen Bestandzins von jährlichen 2 fl. 30 kr. gezahlt, ob aber in dieser Beziehung mit der Herrschaft Solka ein Vertrag besteht, darüber können wir keine Auskunft geben, es ist aber gewiss, dass die Glashütten­arbeiter eine Aufnahms- und Versicherungs-Urkunde von der Herrschaft besitzen.

Auch wissen wir nicht, gegen welche Rechte und Verbindlich­keiten die hiesigen Glashüttenarbeiter von der Herrschaft aufgenommen, dann mit Wohnungen und Grundstücken betheilt worden sind, weil wir bei einer derlei Unterhandlung nicht anwesend waren.

Josef Gnad, Franz Geschwentner. Der anwesend gewesene Ortsrichter Joseph Haas hat sich entfernt und wollte trotz mehrmaliger Einladung zur Unterschrift nicht kommen. In unserer Gegenwart: Mathias Kufner, Joseph Weber, Karl Gaschler.

Die Glashüttenarbeiter Karl Stadler, Jakob Neumann, Ambros Weinfurter, Josef Feldigel, Jakob Gnad und Joseph Stadler haben mittels Steuerbüchel nachgewiesen, dass dieselben für die in ihrer Benützung stehenden im Mardzinaer Gemeindebereiche liegenden herr­schaftlichen Bestand-Grundstücke die Grundsteuer vom Jahre 1841 bis 1858 an die Steuercassa entrichtet haben.

Laut der Catastral-Auf nähme vom Jahre 1822 sind diese Grund­stücke sub Parc. Nr. 901 bis 913 in der Benutzung der Glashüttenarbeiter Jakob Stadler, Franz Bauer, Martin Bauer, Paul Fischer, Michael Weinfurter und Christof Gaschler gestanden. Laut dem Schätzungs-operate vom 2. November 1836 sind diese Grundstücke irrig als der Gemeinde Mardzina gehörig aufgenommen worden, woher es auch kommt, dass die herrschaftlichen Glashüttenarbeiter von der Gemeinde Mardzina auf Grundlage ihres Rustical-Grundsteuer-Subrepartitions-bogens mit der Grundsteuer anrepartiert worden sind. Datum ut supra.

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